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JENSEITS DER SINNE UND DES INTELLEKTS

 

Auf den Spuren einer uralten Weisheit -

Die Yoga Sūtras des Patañjali 

 

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Es ist nicht einfach, einem Yogi persönlich zu begegnen, wenn man in Wien und damit im Zentrum Europas wohnt und keine Reise in den fernen Osten nach Indien unternehmen will oder kann. Ich hatte das Glück, einem Yogi zu begegnen, der eine Fahrt auf einem Motorrad durch Europa unternahm, um die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass unsere Böden durch intensive Nutzung und unsachgemäße Handhabe immer weniger fruchtbar werden und die Gefahr besteht, dass große Flächen für die Erzeugung von Nahrung und Lebensmitteln nicht mehr genutzt werden können. Der Yogi rauschte mit seinem hochmodernen Motorrad der letzten Generation eines weltweit bekannten Herstellers über die Wiener Ringstraße am Volksgarten vorbei und bog auf den Maria-Theresien-Platz ein, um direkt zwischen dem Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum Halt zu machen. Es offenbarte sich ein absolut skurriles Bild. Der Mann nahm seinen Motorradhelm ab und es zeigte sich eine Person mit cooler Brille, schweren Stiefeln und einer stylischen Motorradjacke. Dieser Guru würde durchaus als Mitglied einer Motorradgang durchgehen. Sein weißer Rauschebart unterstrich diesen Eindruck zusätzlich und erinnerte mich an die vielen Darstellungen des Weihnachtsmannes, der in unserer westlichen Kultur zur Weihnachtszeit so omnipräsent ist. Die Leute jubelten und sangen und der Yogi setzte spontan und unmittelbar zu einem Tänzchen an, bei dem er lachte, mit den Händen klatschte und sich ganz offen und unmittelbar über den Empfang freute. Mitten im Herzen Wiens tauchte ich in eine Welt ein, die völlig anders ist, wie die Welt, die uns im Alltag umgibt. Es war eine Welt der unbeschwerten Begegnung, des spontanen Ausdrucks von Freude, der Gelassenheit und eines kreativen chaotischen Zustandes. Ein Stück Indien hatte sich unter dem Blick Maria Theresias, deren Statue den Platz überragt, breit gemacht und erfüllte die Szenerie.

Wer die Bestsellerlisten esoterischer und spiritueller Literatur kennt, wird schon erkannt haben, dass es sich bei dem Mann um den Südinder Jagadish Vasudev handelt, der als Sadhguru bekannt ist und große Yoga-Zentren in Coimbator, Indien, und in Tennessee, Vereinigte Staaten von Amerika, betreibt. Er ist eine einflussreiche Persönlichkeit in Indien und hat sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur Yoga zu unterrichten und weiterzugeben, sondern auch soziale und ökologische Projekte in Angriff zu nehmen. Sein Engagement ist sehr umfangreich und vielfältig und entfaltet sich nicht nur in Indien, sondern in vielen Teilen der Welt. Was mich an seiner Person fasziniert, ist die Tatsache, dass er in unzähligen Ländern tausende Menschen berührt und erreicht. Was ich dem Mann verdanke, ist ein Zugang zur Weisheit der Yogis, ihren Lehren, Techniken, Praktiken und ihrer Weltsicht. In diesem Sinn ist Sadhguru für mich tatsächlich ein Weihnachtsmann, der mir ein Geschenk gebracht hat, für das ich sehr, sehr dankbar bin. Ich bin überzeugt davon, dass sich Sadhguru über mich ein wenig ärgern würde, denn was ich als das Aussehen eines Weihnachtsmannes bezeichne, ist in Indien das Antlitz von Gurus und heiligen Männern. Der Weihnachtsmann ist das Sinnbild eines kommerzialisierten Westens, der einem zügellosen Konsum frönt. Yogis sind genau das Gegenteil davon. Sie sind keine Materialisten, sondern zutiefst in der spirituellen Dimension verankert. Es ist wohl kein Zufall, dass der Weihnachtsmann sich das Antlitz der heiligen Männer zugelegt hat, um etwas Heiliges zu suggerieren. Doch heil ist an unserem Konsumverhalten nur wenig. Doch die Freude, die der Weihnachtsmann trotz allem in die Herzen der Kinder und Menschen trägt, darf in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden, auch wenn es sich dabei nicht um jene Freude handelt, von denen die Yogis erzählen und sprechen.

© Dr. Christoph Paul Stock, Jänner 2026

 

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