K O N T A K T

Auf den Spuren einer uralten Weisheit -
Die Yoga Sūtras des Patañjali
Gesamte Inhalte: © Dr. Christoph Paul Stock
SŪTRA 1.41: Der Zustand des Einswerdens
क्षीणवृत्तेरभिजातस्य ेव मणेर्ग्रहीतृग्रहणग्राह्येषु तत्स्थतदञ्जनता समापत्तिः॥४१॥
Kṣīṇa vṛtter abhijātasyeva maṇer grahītṛ grahaṇa grāhyeṣu tatstha tadañjanatā samāpattiḥ. ||41||
Kṣīṇa = entkräftet, geschwächt, geschwunden, zu Ruhe kommen
vṛtteḥ = Modifikationen des Geistes, geistige Tätigkeiten
abhijātasya = von großer Natürlichkeit, edel, besonders rein, ohne Fehler
iva = so wie, gleichsam, als ob
maṇeḥ = Kristall, Juwel
grahītṛ = Wahrnehmende, Wissende
grahaṇa = Wahrnehmung, Wissen, Kenntnis
grāhyeṣu = das Wahrzunehmende, das Wissen
tad = durch das
stha = ähnlich, so wie in
tad = auf diesem
añjanatā = die Farbe eines nahen Objektes annehmen, eingefärbt sein
samāpattiḥ = ausgeglichener Zustand, Übereinstimmung, Einswerdung
„So wie ein ganz reiner und transparenter Kristall die Farben eines Objektes in seiner Nähe annimmt, so erlangt der zur Ruhe gekommene Geist einen Zustand, in dem sich der Unterschied zwischen dem wahrnehmenden Subjekt, dem wahrgenommenen Objekt und der Wahrnehmung selbst auflöst. Das ist der Zustand des Einswerdens (samāpattiḥ).“
In dieser Sutra wird mit der Analogie eines Kristalls, der in seiner Reinheit und Transparenz die Eigenschaften der ihn umgebenden Objekte annimmt, darauf hingewiesen, dass es jenseits der sinnlich wahrnehmbaren und intellektuell erfassbaren sowie kognitiv verarbeitbaren Realität eine andere tiefer liegende Dimension gibt, aus der heraus unsere Realität aufgebaut wird und entsteht. Es ist eine Ebene, die unserer Realität vorausgeht und sie bewirkt. Wir können sie daher als Wirkebene oder Wirklichkeit bezeichnen. Diese Ebene erscheint uns nicht. Sie bewirkt erst die Möglichkeit des Erscheinens. Damit etwas erscheinen kann, braucht es immer ein Subjekt, das einem Objekt gegenübertritt. Zwischen Subjekt und Objekt entsteht eine Beziehung und aus dieser Beziehung heraus formt sich die konkrete Erscheinung, die sich uns als Realität zeigt. Wenn wir z.B. eine rote Rose betrachten, dann ist das Rot der Rose nicht eine Eigenschaft, die allein in der Rose liegt. Um dieses Rot wahrnehmen zu können, müssen wir die Fähigkeit besitzen, Farben zu sehen. Viele Tiere besitzen diese Fähigkeit nicht. Das Sehen von Farben verlangt einen komplexen Aufbau der Netzhaut im Auge und eine ausgefeilte kognitive Verarbeitungsmöglichkeit in unserem visuellen Kortex im Gehirn. Das Rot der Rose hat also nicht nur mit der von uns beobachteten Rose, sondern auch mit uns als Beobachter zu tun. Je nachdem, wie die Rose als Objekt und wir als Beobachter als Subjekt gestaltet sind, ergibt sich eine unterschiedliche Wahrnehmung der Rose. Mein Hund sieht die Rose grau. Ich werde ihn nicht davon überzeugen können, dass sie rot ist. Diese Kategorie existiert für ihn nicht. Vielleicht sagt meine Frau, dass die Rose hellrot ist, und ich sage unter Umständen, dass sie ein sattes und kräftiges Rot hat. Trotz dieser leicht unterschiedlichen Interpretation des Farbtons werden wir uns darüber einig sein, dass sie eine andere Farbe hat als die gelbe Sonnenblume, die neben ihr steht. Auch für den Hund ist klar, dass der Grauton der Sonnenblume ein anderer ist als jener der Rose. Wahrnehmungen unterscheiden sich und sind abhängig davon, wie der Beobachter und das Beobachtete gestaltet sind. Die Wahrnehmung konstituiert sich aus den vorgegebenen Formen des Beobachters und des Beobachteten. Am Beispiel des Sehens erkennt man, dass es unterschiedliche Entwicklungen gibt. Das Sehen in Graustufen ist für einen Hund oder einen farbenblinden Menschen genauso ein gefestigter Bewusstseinsinhalt wie das Farbsehen für uns Menschen und Primaten. Wir halten die Farben in der Natur für gegeben. Doch wie sieht es mit Infrarotstrahlung aus? Wir können sie normalerweise nicht wahrnehmen. Doch mit Hilfe einer Infrarotkamera können wir diese Strahlung durch Nutzung von für uns sichtbaren Farbspektren sichtbar machen. Plötzlich wird diese Strahlung zu einem neuen Bewusstseinsinhalt, der zuvor nicht vorhanden war. Nicht anders ist es mit einem Geigerzähler, der uns Auskunft über das Ausmaß radioaktiver Strahlung gibt, derer wir in keiner Weise gewahr werden können. Unsere Welt konstituiert sich also durch eine Dreiheit oder Trinität. Es gibt ein Wissen, das einen Wissenden und etwas, das gewusst werden kann, benötigt, um entstehen zu können. Es formt sich eine Erkenntnis, die von einem erkennenden Subjekt im Akt des Erkennens eines erkannten Objekts entsteht. Schließlich konstituiert sich eine Wahrnehmung, deren Voraussetzung ein Wahrnehmender und ein Wahrgenommenes sind.
Was an den oben angeführten Beispielen sichtbar wird, ist die Tatsache, dass weder der Beobachter noch das Beobachtete oder die gemachte Beobachtung objektiv im Sinne einer Unveränderlichkeit sind. Wir nehmen unser Farbsehen als objektiv gegeben an. Mit Bezug zu den Farben ist dann jede Farbveränderung subjektiv. Doch das Farbsehen hat sich im Laufe der Evolution erst langsam herausgebildet. In dieser Hinsicht ist auch das Farbsehen nicht objektiv gegeben, sondern hat einen subjektiven Aspekt. Es ist also immer auch eine Frage des Standpunktes, ob etwas als objektiv gefestigt, wenig dynamisch und vorgegeben oder als im Fluss befindlich und stark veränderlich wahrgenommen wird. Die Grenzen zwischen Objektivität und Subjektivität verschwimmen. Doch auch die Grenzen zwischen einem objektiven Beobachter und einem subjektiv Beobachteten sind nicht starr festgelegt. Schnell wird aus dem Beobachter etwas Beobachtetes und umgekehrt. Wir blicken jemanden an, doch im Nu blickt das Beobachtete zurück und blickt uns an. Unser Blick hat im Gegenüber etwas bewirkt, doch dieses Etwas wirkt auf uns zurück und bewirkt auch in uns etwas. Auf der Ebene der Bewirkung hebt sich die Trinität der Objekt-Subjekt-Wahrnehmungs-Beziehung auf und wird zu einem einheitlichen dynamischen ineinandergreifenden Prozess. Wenn die Trinität von „grahītṛ“ (das Wahrnehmende), „grāhyeṣu“ (das Wahrzunehmende) und „grahaṇa“ (die Wahrnehmung) überschritten wird, zeigt sich auf einer Metaebene des Seins eine völlig andere Welt. Es ist die Welt des Geistes, der die Dinge nicht nur erscheinen lässt, sondern konstituiert. Er bringt sie hervor. Der gerade erwähnte Blick und der auf ihn folgende Gegenblick lassen etwas ganz Neues entstehen, vorausgesetzt, dass unser Geist frei und bereit ist, dieses Neue auch zu erkennen. Es entsteht ein Wahrgenommen-Sein voneinander, das es bisher noch nicht gegeben hat. Alle kreative Schöpferkraft ist von dieser Art des unmittelbaren Gewahrwerdens. „Samādhiḥ“ ist die Technik und Kunst, diese Ebene des unvermittelten Gewahrwerdens zu betreten.
Auf dem Weg dorthin gibt es viele Hindernisse. Damit wir den Dingen auf der Ebene des Geistes unmittelbar gewahr werden können, muss der Kristall glasklar sein. Was auch immer sich in ihm angesammelt hat, wird ihn trüben und einfärben. Je trüber und eingefärbter der Kristall ist, desto schwerer wird es, dem geistigen Inhalt hinter den Dingen gewahr zu werden. Wenn wir einen Raum betreten, in dem sich tausend Dinge befinden, können wir ein kleines Pflänzchen, das irgendwo unter und zwischen dem Gerümpel aufzukeimen beginnt, nicht entdecken. Wir werden es mit hoher Wahrscheinlichkeit übersehen und vielleicht in unserer Unbewusstheit einfach etwas auf das Pflänzchen stellen oder auf es treten und es auf diese Art und Weise zerstören.
Was sind diese Ansammlungen und Anhäufungen von Dingen, die uns den Blick auf die tiefere Dimension des Seins verstellen und in nicht seltenen Fällen völlig unmöglich machen?
Mit unserer Geburt werden wir in eine Welt der tausend Dinge geworfen. Wir finden eine unvorstellbar große Struktur vor, in der wir ein kleiner, fast verschwindender Teil sind. Anfänglich sind wir weder in der Lage, uns in dieser Welt selbständig zu verssorgen, zu bewegen oder uns selbst zu orientieren. Wir sind hochgradig bedürftig. Persönliche Bedürfnisse sind es, die unseren Lebensanfang primär bestimmen. Diese Bedürftigkeit hat nichts mit kognitiven Überlegungen oder Schlussfolgerungen zu tun. Der Verstand ist noch nicht ausgebildet. Wir fühlen einfach, was uns fehlt. Es ist Nahrung, es ist etwas zum Trinken, es ist Wärme, Nähe und Geborgenheit. Wenn diese Grundbedürfnisse nicht befriedigt sind, werden wir Jammern, Schreien und Weinen, weil es das ist, was wir tun können. Wir müssen unserer Energie, der in uns steckenden Vitalität einen Ausdruck verleihen. In uns ist ein Atmen, ein Herzschlag, ein Metabolismus, der aus Nahrung unseren Körper formt. Diese Energie sucht einen Ausdruck und eine Umsetzung in der Welt. Der Anfang unseres Lebens ist daher von unseren vitalen inneren Antrieben, sinnlichen Eindrücken, Bedürfnissen, die wir fühlend wahrnehmen und dem Versuch geprägt, in irgendeiner Form zu ergreifen, was wir benötigen. Wir tasten uns an die Welt heran. Wenn wir in der einen Richtung nicht erfolgreich sind, wird uns unsere Vitalität in eine andere Richtung drängen. Dieses Tasten beginnt mit unserem Mund, unseren Händen und Füßen, mit unserem Körper und schließlich immer stärker mit unseren Sinnen. Damit nimmt die Distanz zu, die wir überwinden können. Daher sind wir in erster Linie von unserer Vitalität angetriebene, emotionale, körperlich orientierte und sinnlich ausgerichtete Wesen. Wir bewerten und beurteilen die Welt nach den Kategorien, ob etwas angenehm oder unangenehm ist, und nutzen dabei taktile Reize und jene sinnlichen Fähigkeiten, die sich langsam entwickeln und stärker werden. Diese sehr basale Phase unseres Lebens ist geprägt von der Ansammlung von Eindrücken, Gefühlen, Tast- und Berührungserfahrungen und dem körperlichen und sinnlichen Greifen nach der Welt, die wir brauchen, um überleben zu können. Doch neben diesem Versorgungsaspekt taucht in uns auch eine Neugier und Offenheit für die Welt auf. Wir sind nicht nur von unseren Bedürfnissen getrieben, sondern auch von der Kuriosität in uns bestimmt, mehr von diesem uns umgebenden fremden Ort und den tausend Dingen, die sich in ihm zeigen, zu erfahren. Unser persönlicher Geist wird geboren. Je stärker unsere Sinne und deren intellektuelle kognitive Verarbeitung werden, umso mehr können wir aus der Gefühlswelt in die Welt des Verstandes und des Denkens wechseln. Unsere Unterscheidungsfähigkeit nimmt zu. Wir begegnen immer mehr Dingen, die wir beginnen in unserer Vorstellungswelt zu ordnen und in ein sinngebendes Raster zu bringen. Neben der Ansammlung von Nahrung für den hoch komplexen Aufbau unseres Körpers, von gefühlten Erfahrungen samt deren Bewertungen und sinnlichen Eindrücken, die uns die Dinge in der Welt unterscheiden lassen, akkumulieren wir geistige Inhalte, die uns helfen, ein mentales Bild von der Welt aufzubauen, das zu einer inneren Landkarte und Orientierungshilfe wird, ohne die wir niemals selbständig in dieser Welt leben können. Diese geistigen Inhalte müssen immer wieder angepasst werden, weil die Welt groß ist und jede weitere Lebenserfahrung in unsere Vorstellungswelt integriert werden muss. Wir lernen, Konzepte zu adaptieren und anzupassen und durch neue Erfahrung in einer solchen Art und Weise zu gestalten, dass sie für uns Sinn ergeben. Unser Leben wird zu einer Geschichte, die wir uns selbst und anderen erzählen. Nun sammeln wir Narrative über uns und die Welt an, bauen daraus ganze Ideologien, soziale, gesellschaftliche und politische Vorstellungen und werden so zu einem Teil einer Familie, Gemeinschaft, Gesellschaft, Nation usw. Nun ist unser Lebens- und Erfahrungsraum voll mit unvorstellbar vielen vitalen, körperlichen, seelischen, geistigen und strukturellen Dingen, die sich angesammelt haben und sich immer weiter anhäufen. Wir sind so voll mit der Welt, dass wir nichts mehr davon sehen können, was über diese Welt hinausgeht. Der Kristall ist völlig undurchsichtig geworden. Er hat unzählige Unreinheiten und spiegelt ausschließlich unsere Erfahrungen. Er ist voll von unseren Vitalfunktionen, Empfindungen, Bedürfnissen, Emotionslagen, mentalen Bildern, Imaginationen, Fantasien, Denkprozessen, Konzepten, Vorstellungen, Narrativen und Ideologien. Der Kristall ist voll von uns selbst und fast ausschließlich von unseren persönlichen Erfahrungen gefärbt. Die Folge davon ist, dass der Geist im Kristall nicht mehr entdeckt werden kann. Was ist zu tun, damit der Kristall wieder klar und rein wird?
An dieser Stelle setzt Yoga an. Wir müssen uns all der Trübungen und Einfärbungen im Kristall gewahr werden, damit der Geist wieder durchscheinen kann. Wir müssen beginnen, unsere körperliche, vitale, emotionale und mentale Welt zu beobachten. Durch diesen Akt der Beobachtung erlangen wir Abstand zu den Dingen im Raum unserer Erfahrungswelt. Wir distanzieren uns von den Ansammlungen im Nahrungskörper (annamaya kośa), den Ansammlungen in unserem vitalen Körper (pranamaya kośa) mit seiner Atmung, dem Herz-Kreislaufsystem, allen Bereichen, die mit der Nahrungsaufnahme, -verwertung und -ausscheidung zu tun haben und mit unserem sexuellen und reproduktiven Leben zusammenhängen, den Ansammlungen sinnlicher, motivationaler, volitiver und kognitiver Inhalte in unserem mentalen Körper (manomaya kośa), den Ansammlungen an Vorstellungen, Konzepten, Einsichten und Erkenntnissen in jenem Körper, der für Lebenserfahrung und Weisheit zuständig ist (vijnanamaya kośa), und wenden uns einem Körper zu, der nicht aus Ansammlungen und Akkumulierungen besteht. Dabei handelt es sich um einen geistigen Körper (anandamaya kośa), der kreativ Neues aus einer inneren Struktur des Seins erschafft, die nicht materiell ist und von uns sinnlich nicht wahrgenommen werden kann.[i]
Ohne Entrümpelung können wir der Dimension des Geistigen nicht gewahr werden. Wir müssen uns befreien von unseren Fixierungen und Anhaftungen an materielle Besitzstände, an emotionale Prägungen in der Suche nach Vergnügungen und Lusterfahrungen bei gleichzeitiger Vermeidung von Unlust, an zwanghafte Reizerfahrungen durch sinnliche Eindrücke, die wir in der Welt suchen und kumulieren, an festgefahrene und konditionierte Denkprozesse und Denkmuster, die uns in vorgefertigten Konzepten der Vergangenheit und fixierten Vorstellungen über die Zukunft festsetzen und in Bezug zu erinnerten Erfahrungen zu rigiden Moralvorstellungen führen können, an Wunschvorstellungen und Imaginationen, wie die Welt in unserem Sinn nicht gestaltet sein sollte oder schließlich an die krampfhafte Verfolgung von tugendhaften oder umgekehrt nicht-tugendhaften Verhalten, um dogmatisch festgelegten Normkonzepten zu entsprechen oder diese rebellisch in Frage zu stellen. Wir müssen uns tiefgreifend im Kontext des „yama“ damit beschäftigen, wie wir ethisch mit der Welt umgehen wollen, die uns umgibt, und wie wir im Zusammenhang mit „niyama“ mit uns selbst umgehen, um ein gewisses Maß an Gleichmut (vairāgya) erreichen zu können. Es stellt sich die Frage, wie wir den Geist aus der sinnlich wahrnehmbaren Welt zurückziehen und auf unsere Innenwelt mit Hilfe von „āsanas“ und „prāṇāyāma“ richten können und wie wir unsere emotionalen und kognitiven Prägungen überwinden und eine ausreichende Distanz zu unseren mentalen Tätigkeiten durch die Praktiken des „dhāraṇā“ und „dhyāna“ erreichen können.
Wenn wir unsere Tendenzen, sinnlichen Eindrücke und inneren mentalen Spielereien nicht mit Aufmerksamkeit und damit nicht mit Nahrung und Wasser versorgen, werden sie immer weiter verkümmern und vertrocknen. Sie verlieren an Bedeutung. In diesem Sinn geht es nicht darum, gegen schlechte Gewohnheiten anzukämpfen, sondern ihnen immer weniger Gelegenheit zur Entfaltung zu geben. Wir müssen ihnen die benötigte Energie entziehen, indem wir sie aus dem Fokus unseres Lebens nehmen. Wir hören auf, die Welt anzusammeln und richten unseren Geist auf eine bestimmte gedankliche Form. Unter Beseitigung aller anderen Formen, die wir durch geduldige Übung mit der Zeit immer weiter entrümpeln, nimmt der Verstand die in den Fokus genommene Gedankenform an und beginnt, deren Inhalt wie ein reiner Kristall zu spiegeln. Der fokussierte Gegenstand zeigt sich dann in seiner wahren Form.
Durch die Fokussierung auf einen bestimmten Gegenstand bleibt aber eine bestimmte Färbung des Kristalls erhalten. Jeder Gegenstand hat sein eigenes Schwingungsmuster im Geist. Er emittiert daher kein reines weißes Licht, in dem alle Schwingungen enthalten sind. Es gibt eine Färbung. Erst wenn der Fokus auf ein bestimmtes Objekt endet und das Ich-Bewusstsein aufgegeben wird, indem sich das Ich nicht mehr als Subjekt eines Du begreift, sondern aus einem alles umfassenden Sein heraus ist, erlöscht jedes Aufkeimen und damit jede Intentionalität im Bewusstsein. Man geht über das keimende Bewusstsein (sabija samadhi) hinaus und gelangt in den Zustand des „nirbija samadhi“, einen Zustand, in dem das „Innerste Sein“ ohne Bezugnahme auf jedwede Form aus sich selbst heraus strahlt. In diesem inneren Sein (purusa) heben sich die Unterscheidbarkeit in Subjekt und Objekt vollkommen auf. Es kommt dabei nicht nur zu einer Beruhigung, sondern es erfolgt ein vollkommenes Erlöschen, da ohne Subjekt und Objekt auch kein Prozess mehr stattfinden kann.