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Auf den Spuren einer uralten Weisheit -
Die Yoga Sūtras des Patañjali
Gesamte Inhalte: © Dr. Christoph Paul Stock
SŪTRA 3.4: Die Essenz geistiger Sammlung
त्रयमेकत्र संयमः॥ ४॥
Trayam ekatra saṁyamḥ. ||4||
Trayam = sich aus drei zusammensetzend, Dreiergruppe
ekatra = vereinigt
saṁyamḥ = essenzielle Konzentration des Geistes, Sammlung des Geistes
„Die Essenz der geistigen Sammlung (saṁyamḥ) ist die Vereinigung dieser drei (dhāraṇā, dhyāna, samādhiḥ).“
Albert Einstein meinte einmal sinngemäß, dass der intuitive Geist ein heiliges Geschenk ist und der rationale Verstand ein treuer Diener. Es ist kein Wunder, dass er dies so gesehen hat. Wenn man sich die für unseren rationalen Verstand völlig absurden Erkenntnisse ansieht, die sich aus der Relativitätstheorie und der Quantenphysik ergeben, wird klar, dass Forscher wie Albert Einstein einen Zugang zur Intuition durch geistige Sammlung gefunden haben. Entdeckungen wie der Aufbau der Atome, die wir nicht sehen können, oder die Struktur der DNA, die so winzig klein und mit ihrer Form der Doppelhelix so unvorstellbar komplex aufgebaut ist, sind allesamt ein spontanes Erkennen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und gleichzeitig ein sich Erinnern des Geistes an seine eigenen Schöpfungen. Diese Erkenntnisse haben sich nicht einfach so eingestellt. Forscher setzen sich über lange Zeit, oft über Jahre, manchmal Jahrzehnte hinweg mit einem Problem auseinander. Sie betrachten es von allen möglichen Seiten, entwickeln Ideen und Hypothesen, wie es sein könnte, und verwerfen diese dann wieder. Sie konzentrieren sich auf ein Problem mit hoher Intensität. Ihr Engagement ist so groß, dass sie manchmal mit dem Problem und der Frage, die sie sich stellen, regelrecht verschmelzen. So manche Person ist weit mehr mit der wissenschaftlichen Fragestellung als mit dem eigenen Partner verheiratet. Sie gehen in der Fragestellung auf und plötzlich eines Tages dämmert es ihnen. Sie erkennen die innere Struktur des Seins. Sie sehen etwas, das man nicht sehen kann. Sie haben in ihrem Leben das getan, was die Yogis in den ersten drei Sūtras des dritten Buches beschreiben. Der geistigen Sammlung (saṁyamḥ), die Grundlage für wirklich große Entdeckungen ist, geht die Vereinigung von „dhāraṇā“, „dhyāna“ und „samādhiḥ“ voraus. Wie lange es dauert, bis die geistige Sammlung ausreicht, um in den Geist vorzudringen, hängt von der Fragestellung und dem Thema ab. Manche Dinge liegen tiefer und verborgener wie andere. Doch ein entscheidender Faktor ist die Fähigkeit der forschenden Person, sich geistig ausreichend zu sammeln und die Begrenzungen durch die eigene Vorstellungswelt, zu überschreiten. Sie müssen sich in einem gewissen Sinn selbst aus dem Weg räumen, um Zugang zu dem zu finden, das jenseits unserer bekannten Vorstellungswelten liegt.