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Gesamte Inhalte: © Dr. Christoph Maria Stock

 

Anmerkungen zur Übersetzung des Textes

 

Die „Sutra mit den 42 Kapiteln“ wurde in viele Sprachen übersetzt. Eine deutsche Übersetzung ist mir nicht bekannt. Ich bin aber überzeugt, dass es eine solche gibt. Ich habe den chinesischen Originaltext mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz und unter Zuhilfenahme mehrerer englischer Übersetzungen ganz neu ins Deutsche übersetzt. Aus der Sicht eines Linguisten betrachtet, ist mein Vorgehen sicher ziemlich stümperhaft und unprofessionell. Doch die Arbeit hat mir große Freude bereitet und auch bewirkt, dass ich mich mit den einzelnen Kapiteln sehr intensiv auseinandergesetzt habe.

 

Ich habe jedes einzelne chinesische Schriftzeichen übersetzt. So weit es möglich war, habe ich immer die aktuell gängige Übersetzung verwendet. Den sinnstiftenden Kontext habe ich aus den Einzelbedeutungen der Zeichen erfasst. Wenn ein Verständnis auf diese Art und Weise schwer möglich war, habe ich eine Zeichenreihe von der Künstlichen Intelligenz übersetzen lassen. Es ist erstaunlich, wie viele verschiedene Bedeutungen chinesische Zeichen im Kontext mit anderen Zeichen haben können. Ich habe diese Übersetzungen nie direkt übernommen, sondern sie wiederum mit den Einzelbedeutungen abgestimmt und so eine eigenständige Sinnfindung betrieben. Die Ergebnisse waren im Vergleich mit anderen englischen Übersetzungen erstaunlich gut. Die Künstliche Intelligenz liefert auch Bedeutungen, die chinesische Zeichen besonders im Kontext religiöser und spiritueller Schriften haben. So hat sich in vielen Fällen rasch erhellt, wenn ein Zeichen einen buddhistischen Kontext repräsentiert. Die Kombination einiger Zeichen ergibt Spezialausdrücke, die eigentlich aus dem Sanskrit oder Pali kommen. Andere Zeichen werden verwendet, um Eigennamen zum Beispiel ganz konkreter Seen und Berge in China zu benennen.

 

Es ist völlig klar, dass man den Text auch anders übersetzen könnte, als ich das gemacht habe. Die von mir als Referenz verwendeten englischen Übersetzungen unterscheiden sich ebenfalls voneinander erheblich. So spricht eine Übersetzung in einem bestimmten Kontext zum Beispiel von „Prinzipien“, eine andere von „Doktrinen“. Eine verwendet das Wort „Gebot“, eine andere die Formulierung „Anweisung“, eine spricht von „Orthodoxie“ und „Heterodoxie“, eine andere von „Orthodoxie“ und „Devianz“. Im letzten Beispiel habe ich folgende Übersetzungen gewählt: „richtig herum (Rechtgläubigkeit)“ und „verkehrt herum (Andersgläubigkeit)“. In diesem Beispiel erkennt man, wie die Grundbedeutung der chinesischen Zeichen erhalten bleibt und zusätzlich der religiöse Sinngehalt mitberücksichtigt wird.

 

Im Text ist auch auffallend, dass buddhistische Terminologien sich mit taoistischen Begriffen überschneiden. So wird für den buddhistischen Begriff „Dharma“ oft der chinesische Begriff „Tao“ verwendet. „Dharma“ meint die kosmische Ordnung und ist auf Regeln und Rahmenbedingungen bezogen. Das „Tao“ meint die natürliche Ordnung und hat einen organischen Charakter. Beide Begriffe weisen auf den Weg des Seins. In den beiden Begriffen sind Bedeutungsunterschiede gegeben, so wie sich eben der Buddhismus vom Taoismus unterscheidet. Gleichzeitig darf aber nicht übersehen werden, dass sich der Buddhismus in China weiterentwickelt hat und taoistische Elemente integriert wurden. Wenn man sich heute den Zen-Buddhismus in Japan ansieht und diesen mit jenem in Tibet vergleicht, wird klar, dass Buddhismus nicht gleich Buddhismus ist und sich enorm viele verschiedene Strömungen herausentwickelt haben. Man wird daher mit gewissen Unschärfen leben müssen. So wie wir Jesus heute nicht mehr authentisch sprechen hören, weil die von ihm bekannten Aussagen tausende Male interpretiert und verformt wurden, so kann man auch Buddha nicht im Original lauschen. Doch genauso wie wir Jesus und Buddha nicht mehr in ihrer Originalität erfahren können, ist es auch nicht möglich, den Kontext, in dem sie gelebt, gelehrt und gesprochen haben, wieder herzustellen. Jesus würde manche Dinge sicher anders formulieren, wenn er in unserer technisierten und konstruierten Welt mit all den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts leben würde. Nicht anders wäre es bei Buddha. Auch wenn spirituelle Wahrheiten praktisch von universellem und zeitlosem Charakter sind, ändern sich die Worte, Geschichten, Parabeln und Erzählungen, die verwendet werden, um diese Wahrheiten zu vermitteln. Yogis folgen dem Prinzip, dass ihre Lehre in jedem Zeitalter neu interpretiert werden muss. Wenn man sich die Yoga-Sutras des Patanjali ansieht, dann sind diese in einer Art Punktation so minimalistisch formuliert, dass man sie sich nicht nur einfach merken kann, sondern sie auch immer wieder neu ausformuliert werden müssen. Darin liegt die Chance, dass sie sich im Laufe der Jahrhunderte nicht abnützen und unzugänglich werden.

 

In diesem Sinn bin ich auch an den hier vorliegenden Text herangegangen. Ich habe versucht, die Begriffe möglichst in ihrem ursprünglichen Bedeutungsgehalt zu erfassen und die Texte so zu formulieren, dass sie dem heutigen Verständnis der buddhistischen Lehre möglichst nahekommen. Doch sehen Sie selbst und bilden Sie sich eine Meinung. Wenn ihnen eine Passage unstimmig vorkommt, können sie sich die einzelnen Übersetzungen der Schriftzeichen ansehen und eine für sie verständliche Formulierung finden. Jedem chinesischen Text ist eine Liste mit den übersetzten Zeichen angeschlossen. Sie können auch die künstliche Intelligenz nutzen. Sie hat großartige und wunderbare Anwendungsmöglichkeiten. Ich hoffe nur, dass sie nicht Macht über uns Menschen erlangt.

Ich stelle nun diese sehr alte Weisheit ins Netz und hoffe, dass Sie viel Freude mit dem Text haben. Mögen die heilbringenden Errungenschaften unserer Zeit uns Glück und Frieden bringen und der Geist aller Buddhas uns begleiten.

© Christoph Maria Stock | Wien | 2026 | All rights reserved!
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